von Frank Hehl
Durch die Zunahme der Elektromobilität fallen die Herstellkosten der Batterien durch die inzwischen großindustrielle Fertigung auf unter 100 Euro pro kWh. Obwohl die Preise für Heimspeicher noch deutlich höher sind zeigt sich in Deutschland ein regelrechter Boom. Denn jeder, der tagsüber überschüssigen Strom aus seiner Photovoltaik (PV) Anlage übrig hat, ist froh diesen für die Nacht „zurückzulegen“ und so heute schon Geld bei der Stromrechnung zu sparen. Das führt im Nebeneffekt dazu, dass die Erzeugungsspitzen um die Mittagszeit in den Sommermonaten reduziert werden.
Aber auch die kommerziellen Großspeicher im Megawattstunden-Bereich werden jetzt zunehmend geplant und gebaut. Das Geschäftsmodell umfasst dabei sowohl das Ausnutzen der täglichen Tag und Nacht Schwankungen des Strompreises im Sommer als auch den Einsatz im Rahmen der Netzstabilisierung. Batteriespeicher tragen so zunehmend zur sinnvollen zeitlichen Verteilung des Stroms bei.

Copyright RWTH Aachen. Die Grafiken und Daten dieser Seite sind lizensiert unter CC BY 4.0 und finden sich ausführlich auf www.battery-charts.de. Weitere Details finden Sie auch im folgenden Preprint-Paper: Jan Figgener, Christopher Hecht, David Haberschusz, Jakob Bors, Kai Gerd Spreuer, Kai-Philipp Kairies, Peter Stenzel, Dirk Uwe Sauer, The development of battery storage systems in Germany: A market review (status 2023), 2023, DOI: 10.48550/arXiv.2203.06762
Großspeicher in Hertingen geplant
Direkt beim Umspannwerk Hertingen soll ein Großspeicher mit einer Kapazität von 200 MWh errichtet werden. Das entspricht ca. 20.000 Heimspeichern mit 10 kWh. Damit kann eine immense Menge an Strom z.B. aus überschüssiger PV Produktion gespeichert und z.B. nachts wieder abgegeben werden. Die direkte Folge: weniger Einsatz von fossiler Energie. Durch den Direktanschluss in eine höhere Netzebene kann diese Anlage Schwankungen im Stromnetz schnell ausgleichen und wirkt positiv auf die Netzstabilität.
Die Batterien und Wechselrichtereinheiten sind modular in 20 Fuss Containern untergebracht und werden dann zur Gesamtanlage zusammengeschaltet.

Symbolbild
Die Entwicklung geht weiter
Im schweizerischen Laufenburg wird der z.Zt. größte Batteriespeicher der Welt geplant. Dieser ist mit bis zu 3,6 Mio kWh 18 mal größer als Hertingen und verwendet die Redox Flow Technologie. Redox-Flow-Batterien sind elektrochemische Energiespeicher, bei denen die Energie in zwei flüssigen Elektrolyten gespeichert wird, die in externen Tanks zirkulieren. Diese Technologie ist seit langem bekannt, aber durch den erhöhten Platzbedarf nur für stationäre Anwendungen geeignet. Die Inbetriebnahme ist für 2028 geplant.

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Pumpspeicherkraftwerke
Pumpspeicher-Kraftwerke sind lange bewährte und sehr zuverlässige „Batterien“ mit sehr großer Speicherkapazität. So liefert z.B. das Pumpspeicherkraftwerk Wehratal/Hornbergbecken 6,1 Mio kWh. Allerdings ist es wegen dem relativ großen Landschaftseingriff und der enormen Baukosten heute in Deutschland kaum noch möglich neue Anlagen zu bauen.

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Batteriespeicher als wichtiges Element der Energiewende
Zur Erreichung der Ziele der Energiewende leisten Batteriespeicher in allen Formen und Größen einen entscheidenden Beitrag. Die Technologie wird beherrscht und die Investitionskosten werden weiter sinken. Durch die lokale Aufstellung entlasten sie die Stromnetze, sie gleichen Energiespitzen aus und erweitern den Bezug der solar erzeugten Energie in die Nachtstunden. Dadurch wird für alle der Strom auf mittlere Sicht günstiger werden.
Hinweise:
– Weitere detaillierte Schaubilder finden Sie auf der Website der RWTH Aachen: hier der RWTH Aachen
– Zum Projekt Laufenburg gibt es einen SWR Beitrag: hier